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"Dann gilt es auszuhalten": Überbringen von Todesnachrichten war Fortbildungsthema

Trauer ist keine ansteckende Krankheit. Und doch ist es für viele Menschen sehr schwer, mit Trauernden umzugehen. Schon das persönliche Verfassen eines Beileidschreibens vermeiden viele und greifen zum vorgedruckten Trauerspruch. Wie schwer mag es erst sein, nichtsahnenden Menschen die Nachricht vom plötzlichen und unerwarteten Tod eines geliebten Angehörigen zu überbringen? Die Mitglieder des Kriseninterventionsteams (KIT) vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), Kreisverband Waldshut, nehmen diese schwere Aufgabe ehrenamtlich auf sich.

Das KIT bietet Betroffenen, Angehörigen und Augenzeugen nach schicksalhaften, dramatischen Ereignissen psychosoziale Unterstützung an. Auch das Überbringen von Todesnachrichten gehört zum Einsatzbereich des DRK-Kriseninterventionsteams. Diese schwere Aufgabe war Thema einer Fortbildungsveranstaltung im Waldshuter Rotkreuzhaus. Referent Uwe Kaier leitet das Kriseninterventionsteam des DRK-Kreisverbands Waldshut.

„Das Unglück allein ist noch nicht das ganze Unglück;
Frage ist noch, wie man es besteht.
Erst wenn man es schlecht besteht,
wird es ein ganzes Unglück.“

Diese Erkenntnis des Schweizer Schriftstellers Ludwig Hohl treibt Kaier und sein Team an. Denn bereits mit dem Überbringen der Todesnachricht können Weichen gestellt werden für das Weiterleben nach dem großen Verlust.

Neu hinzugekommene und bereits ausgebildete Kriseninterventionshelfer und auch eine stattliche Zahl von Mitarbeitern des Rettungsdienstes vom DRK-Kreisverband Waldshut waren die Zuhörenden, die Uwe Kaier mit seiner großen Einsatzerfahrung  in seinen Bann zog. Kaier ist vielseitig qualifizierter ehrenamtlicher Helfer von Rotem Kreuz und Feuerwehr und im Hauptberuf Polizeibeamter. In Form von Gruppenarbeit wurden die Teilnehmer der Fortbildung zunächst selbst aktiv und erarbeiteten Antworten auf Fragen wie diese: Wie kann man sich vorbereiten auf die schwere Situation, wie sich danach vom Erlebten lösen? Welche persönlichen und fachlichen Voraussetzungen sind vonnöten, welche Ansprüche an ein vertrauenswürdiges, seriöses Auftreten zu erfüllen? Für die Leistungen der Arbeitsgruppen gab es auch vom Referenten Beifall.

Doch soweit die Theorie. Uwe Kaier kennt aus seiner großen ehrenamtlichen und beruflichen Erfahrung alle möglichen Lebenssituationen, in die eine Todesnachricht hereinplatzt. In eine fröhliche Feier beispielsweise. Oder in eine Familie, die bereits einen tragischen Todesfall verkraften musste. Im Idealfall hat sich das Team darauf vorbereitet. Grundsätzlich wird eine Todesnachricht im Zweierteam überbracht und immer persönlich, regelmäßig als Begleitung der Polizei.

Doch neuerdings sind auch die Einflüsse der neuen Medien zu bedenken, mit denen nicht selten gedankenlos oder gar sensationslüstern Informationen verbreitet werden. Informationen, die Angehörige brutal und unpersönlich mit der schlimmen Nachricht konfrontieren und so die Bewältigung des Unglücks nachhaltig erschweren. Ehrenamtliche Helfer hingegen bringen viel Zeit mit und stellen sich individuell auf die Hinterbliebenen ein.

Ehrlich, kurz und direkt überbringen geschulte Einsatzkräfte eine Todesnachricht, ohne Umschweife und beschönigende, verschnörkelte Formulierungen. Ruhig, langsam, gradlinig wird die Situation geschildert. Dann gilt es auszuhalten: die Stille, die Verzweiflung, Hilflosigkeit, auch heftige Reaktionen. Den Angehörigen sachliche Informationen über das Unglück mitzubringen gehört zur Vorbereitung. Doch man muss nicht alle Fragen beantworten können, vor allem nicht die nach der „Schuld“ am Todesfall.

Auch die Begleitung der Angehörigen zum Leichnam gehört zu den Aufgaben der DRK-Kriseninterventionshelfer, weil das Abschiednehmen für Hinterbliebene ein wichtiger erster Schritt zur Bewältigung des Unglücks ist.

30. Mai 2017 17:47 Uhr. Alter: 49 Tage